[Review] Leo Tolstoi: Krieg und Frieden

8878021Ich habe lange gehadert, wie ich dieses Buch bewerten soll. Es hat mir gefallen, war aber oft einfach mühsam und für meinen Geschmack zu ausschweifend. Die drei Sterne, für die ich mich letztlich entschieden habe und die meinem Leseerlebnis am besten entsprechen, sind in gewisser Weise absolut unpassend, denn sie scheinen auf ein mittelmäßiges Buch hinzuweisen, und mittelmäßig ist rein gar nichts an Krieg und Frieden.

Es geht hier um militärische, gesellschaftliche und private Verwicklungen zur Zeit der napoleonischen Kriege, die ineinander verwoben, parallel erzählt werden. Es gibt einige Protagonisten und unzählige, immer sehr detailreich beschriebene Nebenfiguren.

Tolstoi schafft es wirklich, den Leser ins Russland des frühen 19. Jahrhunderts zu entführen. Sowohl das gesellschaftliche Parkett, als auch die grausamen Kriegsbeschreibungen sind stets lebendig und detailreich beschrieben. Einzig, wenn er hin und wieder im Hauptteil und sehr ausschweifend im Epilog über Geschichte philosophiert, wird es langweilig (für mich). Die Geschichte wird zur Seite gestellt und man hat das Gefühl, ein Sachbuch über Kriegstheorie und -philosophie zu lesen.

Was mir einfach gefehlt hat, war eine anhaltende Verbindung zu den Protagonisten der Erzählung. Tolstoi beschreibt Charaktere, ihr Äußeres und ihre Motive immer sehr analytisch und distanziert, was mir persönlich nicht besonders liegt.

Gut gefallen hat mir die Entwicklung einiger Charaktere, die sich vor dem Hintergrund ihrer individuellen Schicksale entfalten und wachsen.

Für mich persönlich hätte man die Geschichte von 2400 auf 700 Seiten kürzen können und hätte dadurch Geschichte und Hintergrund einfach besser auf den Punkt bringen können.

Mir lag Tolstois Anna Karenina viel mehr, nachdem ich mich dort eingelesen hatte, habe ich an den Seiten geklebt, mitgefiebert, mitgelitten, mich über Anna aufgeregt… in Krieg und Frieden gab es nur sehr wenige Momente, in denen ich wirklich mitgefiebert habe. Der direkte Vergleich der zwei Bücher hat dann auch den entscheidenden Anstoß gegeben, nur 3 Sterne zu vergeben, also 2 weniger als bei Anna Karenina.3-sterne-schw

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