[Review] Alexandre Dumas: Der Graf von Monte Christo

8670658Edmond Dantes hat eine strahlende Zukunft vor sich: Er hat sich einen Namen als Seemann gemacht und soll nun das Kommando über ein Handelsschiff übernehmen, außerdem steht seine Hochzeit kurz bevor. Doch es gibt Neider, einen Komplott und unglückliche Verwicklungen, die dazu führen, dass er im Gefängnis landet. Erst nach 14 Jahren entkommt er und schwört Rache an jenen, die ihm übel mitgespielt hatten. Er kommt zu Geld und Einfluss und zieht die Fäden, die zum Untergang seiner Feinde führen sollen.

Die Geschichte ist schon gewaltig. Liebe, Hass, Rache, Verschwörungen, Giftmischerei, Morde, Entführungen… Es wird dem Leser einiges geboten! Dumas schafft es wieder, die Erzählung lebendig werden zu lassen. Von den unwürdigen Zuständen im Gefängnis bis zum exklusiven Pariser Gesellschaftsparkett erschafft er farbenfrohe und lebhafte Welten. Sogar mit einem Hauch „1001 Nacht“.

Die 1.500 Seiten der vollständigen Ausgabe fliegen zumeist rasch dahin und ich hätte kaum etwas von der Geschichte oder den Beschreibungen missen wollen.

Die Charakterentwicklung von Edmond ist gewaltig, aber jederzeit absolut glaubwürdig. Mein größter Kritikpunkt ist allerdings, dass ich im Laufe der Geschichte die Beziehung zum Titelhelden verloren habe. Im ersten Drittel ist der Leser ganz nah dran an seinen Gedanken, Plänen und seinem Schicksal. Er wird dann aber immer distanzierter beschrieben, je mehr er sich in seinen Rachefeldzügen verloren hat (was objektiv betrachtet ein guter Kniff war, mir aber die Hauptperson, mit der ich mitfiebern kann und deren Pläne ich kenne, genommen hat). Ich war weniger von seinen Taten abgeschreckt, sondern er ist mir vor allem einfach durch die distanzierte Erzählweise verloren gegangen.Trotzdem ist es großartig zu sehen, wie der Held die Menschen als Schachfiguren einsetzt, oft nur durch kleine Andeutungen oder Handlungen ganze Lawinen lostritt.

Das mittlere Drittel, in dem er beginnt, seine Rachepläne zu schmieden und erste Dinge in Gang setzt, war mir etwas zu langatmig, dafür überschlagen sich im letzten, wieder sehr spannenden Drittel die Ereignisse. Rückblickend betrachtet, wird viel Vorarbeit für das Finale geleistet, aber während des Lesens zieht es sich manchmal schon etwas…

Mir wäre es ohne Übersichtsschema (danke, Wikipedia) sehr schwer gefallen, die Beziehungsgeflechte über mehrere Generationen auf dem Schirm zu haben. Es ist zum Teil schon sehr komplex und unübersichtlich.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, auch dank meiner tollen Buddy Read Mitleser, würde es aber nur bedingt weiter empfehlen. Im direkten Vergleich zu Die drei Musketiere vom gleichen Autor finde ich letzteres doch deutlich empfehlenswerter.3-sterne-schw

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Eine Antwort zu “[Review] Alexandre Dumas: Der Graf von Monte Christo

  1. Ich habe „Der Graf von Monte Christo“ zum ersten Mal als Teenager (ca. 14) gelesen und war total begeistert. Als ich das Buch dann Jahre später noch einmal las, bemerkte ich erst die Tiefe und konnte auch die geschichtlichen Hintergründe erst dann richtig einordnen. Ein Buch, das ich unbedingt mal wieder lesen muss. Ich habe es immer sehr geliebt.

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