[Rezension] Kate Atkinson: Das vergessene Kind

Der private Ermittler Jackson Brodie wird von der Neuseeländerin Hope McMaster beauftragt, ihre Wurzeln zu ergründen, sie wurde als Kleinkind in England adoptiert, ihre mittlerweile verstorbenen Eltern haben ihr jedoch nie etwas über die Adoption und die leiblichen Eltern erzählt. So begibt sich Jackson auf Spurensuche, begleitet von Jane, seinem Navigationsgerät, seiner in seinen Gedanken omnipräsenten ehemaligen Lebensgefährtin Julia, mit der er imaginäre Gespräche führt und schließlich einem Hund, den er vor einem Schlägertypen rettet. Parallel dazu wird die Geschichte von Tracy Waterhouse erzählt; eine alleinstehende, kinderlose Ex-Polzistin, die ein kleines Mädchen vor ihrer sie misshandelnden Mutter retten will, es ihr schlichtweg abkauft und von nun an ihre Flucht ins Ausland plant.
Ein Mord an einer Prostituierten aus dem Jahr 1975, bei dem Tracy als junge Polizistin vor Ort war, kommt ans Tageslicht und langsam fügen sich die Mosaikstücke zusammen und ein Gesamtbild entsteht. Das Buch hat mir sehr gut gefallen, trotz der dramatischen Thematik wird die Geschichte leicht und charmant, teilweise humorvoll erzählt. Die Charaktere haben Ecken und Kanten, es gibt keine strahlenden Helden, als Leser findet man sich in der Position wieder, mit Tracy, die ein Kind gekauft und mit ihm fliehen will mitzufiebern. Die einzelnen Erzählstränge sind thematisch relativ eng miteinander verbunden, so dass selbst in der ersten Hälfte, in der sie relativ wenig miteinander zu tun haben, ein einheitliches Bild entsteht.
Die Erzählweise ist sehr ruhig, die Dramatik entsteht zumeist durch die inneren Konflikte der Protagonisten. Dass am Ende ein paar Fragen nicht geklärt werden, finde ich eigentlich ganz spannend, ich denke, dass sie vielleicht in einem der folgenden Bände aufgegriffen werden. Einziges Manko war die Übersetzung. Im Großen und Ganzen recht gut, scheint mir an einigen Stellen etwas zu wörtlich übersetzt worden zu sein und im Englischen übliche Redewendungen wurden stumpf wörtlich übersetzt, statt nach einer deutschen Entsprechung zu suchen. „Das vergessene Kind“ war mein erster Roman von Kate Atkinson, aber ich muss sagen, ich bin jetzt richtig „angefixt“ und werde moglichst bald die ersten drei Teile der Reihe lesen. (Rezenzionsexemplar vom Droemer-Knaur Verlag)

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