[Rezension] Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

Nach einem gründlich schief gelaufenen Einsatz, bei dem ein Kollege querschnittsgelähmt und einer erschossen wurde, hat Carl Mørk, von der Kopenhagener Mordkommission jeglichen Enthusiasmus verloren, Sein ohnehin nicht gerade sonniges Gemüt ist noch um einiges dunkler geworden und so beschliessen seine Vorgesetzten 2 Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, die richten die Sonderabteilung Q im Keller der Kopenhagener Polizei ein, deren Chef und einziger Mitarbeiter er sein soll. Carl ist aus dem Weg und sie streichen die großzügige Summe der Regierung ein, die die Sonderabteilung finanzieren soll. Seine Aufgabe ist es, sich mit alten Fällen zu befassen und sie neu aufzurollen.

Im Grunde heilfroh, in den Keller abgeschoben worden zu sein, wo er seine Ruhe hat, gibt Mørk sich nun ausgiebig seinen Sudokus und gemütlichen Nickerchen hin. Als er beschließt, eine Hilfskraft anzufordern, die den Keller sauberhalten soll, ist es allerdings vorbei mit seinem Frieden. Um Assat, einen gebürtigen Syrer, zu beschäftigen, nachdem er mit dem Putzen fertig ist, gibt Mørk ihm eine Akte, so kommt der Fall der vor 6 Jahren auf der Fähre zwischen Dänemark und Deutschland verschwundenen Politikerin Merete Lynggaard wieder ans Licht. Nach und nach tauchen immer mehr Hinweise auf, die damals nicht weiter verfolgt worden waren und Mølks Spürnase erwacht.

Parallel dazu erfährt der Leser, wie Merete die letzten Tage erlebt hat und dann entführt und gefangen gehalten wird. Einmal im Jahr wird ihr die Frage gestellt, ob sie weiß, warum sie gefangen gehalten wird, kann sie keine Antwort geben, wird der Luftdruck in ihrem Gefängnis erhöht, irgendwann ist er so hoch, dass ihr Körper bei einem plötzlichen Druckabfall auf den Umgebungsluftdruck explodieren würde.

Die Geschichte ist wirklich sehr spannend erzählt.Trotz der Grausamkeit von Meretes Gefangenschaft und dem dunklen Schatten über Mørks Leben gibt es immer wieder skurile und lustige Situationen. Mørks trockener Humor ist herrlich. Dieser Mix aus Spannung und Humor macht das Buch zu etwas Besonderem.

Die „Auflösung“ hat bei mir allerdings einen etwas schalen Beigeschmack hinterlassen. Ich fand Ursache/Motiv und den Aufwand, sie auf diese Weise gefangen zu halten etwas unausgewogen, kurz gesagt, ich hatte wesentlich größere Schuld ihrerseits erwartet, die den Hass auf sie rechtfertigen würde.

Ein tolles Buch! Der grummelige Mørk und der eifrige aber mysteriöse Assat sind ein fabelhaftes Ermittler-Team, ich freue mich schon auf weitere Fälle.

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